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Podiumsdiskussion mit den Kandidaten zur Wahl des Städteregionsrat

Am 10. Oktober fand im „Klösterchen“ in Herzogenrath eine Podiumsdiskussion mit den Kandidaten für die Wahl zum Städteregionsrat statt. Vertreter unserer Initiative waren mit einigen Personen anwesend und haben gezielt nach der Streckenführung der geplanten Radschnellwegtrasse durch Schutzgebiete im Wurmtal zwischen Pannesheide und Herzogenrath nachgefragt. Alle Vertreter auf dem Podium konnten wegen der spezifischen Fragestellung an diesem Abend keine befriedigenden Antworten geben; sie hatten deshalb angeboten, dass schriftlich nachgehakt werden könnte.

Dies hat nun Birgit Quix für unsere Initiative gemacht.

Sie finden im folgenden das Anschreiben und die jeweiligen Antworten, sofern wir eine Zustimmung zur Veröffentlichung auf unserer Homepage erhalten haben. Leider haben Daniela Jansen und Oliver Krischer die Zustimmung verweigert; letzterer hat sich jedoch bereit erklärt, sich NACH der Wahl vor Ort die von uns monierten „Knackpunkte“ anzusehen.

> Guten Morgen,
>
> gerne möchte ich auf Ihr Angebot, dass Sie während der o.g.
> Veranstaltung gegeben haben, zurückkommen. Hoffentlich hatten Sie bereits
> die Gelegenheit, sich hinsichtlich der alternativen und
> umweltfreundlicheren Trassenführungsvarianten des Radschnellweges zwischen
> Kohlscheid und Herzogenrath zu informieren. Meinerseits habe
> ich sämtliche Untersuchungen wie Potentialanalyse,
> Machbarkeitsstudie etc. mehrfach durchgearbeitet und bin über Zahlen,
> Streckenführung etc. im Bilde. Ihre Stellungnahme zu diesem Thema ist für
> meine Wahlentscheidung maßgebend. Übrigens gibt es in Summe ca. 2.000
> handschriftliche Unterschriften betroffener Bürger in diesem
> Einzugsgebiet gegen die aktuell geplante Trasse entlang der Bahn.
>
> Mir ist wichtig zum Ausdruck zu bringen, dass ich für einen Radschnellweg
> bin! Aber: für die aktuelle Streckenführung im o.g. Teilstück gibt
> es bessere Lösungen. Leider wird bisher mit Kriterien argumentiert, die
> die in der Machbarkeitsstudie aktuell untersuchte Route durch
> Landschaftsschutzgebiet vehement als alternativlos darstellt. Dazu
> gehören:
>
> – Steigung: hier gibt es die Lösung Teilstücke als Fahrradstraße (vgl.
> Rütscher Straße in Aachen) auszubauen, um die Förderung nicht zu
> gefährden
> – was sind ein paar Bäume gemessen an dem „Großen Ganzen“! Hier möchte
> ich mit dem Hambacher Forst argumentieren, der auch nur noch lächerliche
> 10% seiner Ursprungsgröße aufweist, aber auch diese 10% sollten
> unangetastet bleiben, vor allem in Zeiten des immer mehr ins Bewusssein
> rückenden und spürbaren Klimawandels
> – die Anzahl der Umsteiger von Auto auf Fahrrad erscheint nicht nur mir als
> Traumvorstellung. Aber mit dieser utopischen Anzahl wird der Eingriff in
> die Natur (Gewichtung) rechtfertigt UND damals basierte der Zuschlag als
> einer der fünf „Gewinner“ des Wettbewerbs eben auf
> diese _täuschenden_ Zahlen
>
> Ich fahre täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit und freue mich über
> instandgesetzte oder neue Radwege, über fahrradfreundliche Umgestaltungen
> bisheriger Straßen mit oder ohne Radspur. Will die Politik wirklich etwas
> zugunsten der Umwelt verändern, müssesn andere Bereiche etwas von ihrem
> Status abgeben – das ist nicht immer populär, aber konsequent und ehrlich.
>
> Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.
>
> Mit freundlichem Gruß
> Birgit Quix

Hier die Antwort von Dr. Tim Grüttemeier

Sehr geehrte Frau Quix,
herzlichen Dank für lhre freundliche Mail vom 17.10.2018.
Auch wenn die Diskussion im Klösterchen nun schon wieder einige Tage här ist, möchte ich nochmals betonen, wie angenehm
die Diskussion war. lch habe die tiefe Sachkenntnis und das hohe inhaltliche lnteresseEn den Positionen der Kandidaten als
sehr wohltuend empfunden.
Wie zugesagt, gebe ich lhnen geme noch einige Hinweise zum Radschnellweg Herzogenrath. lch möchte am Ende lhrer Mail
beginnen. Dorl verwenden Sie die Begriffe ,konsequent und ehrlich‘. Oies sind auch ftir mich – beruflich wie pdval –
unverzichtbare Handlungsmaximen, an denen ich mich auch gerne messen lasse. Zur Ehrlichkeit gehört, dass es nicht immer
schnelle und klare Altemativen gibt.
lch habe wahrgenommen, dass die Trassenführung, die Sie kritisieren, in der Tat offensichtlich nicht die einzig realisierbare
Streckenfi.ihrung darstellt. Offensichtlich gibt es noch eine mögliche Altemative Streckenführung über die Nieuwstraat, die aber
mit einer höheren Steigung verbunden ist, was der Qualilizierung als Radschnellweg, was sich nach Bundesrecht richtet,
entgegensteht. Nun ist das Argument der Steigung – in Zeiten von E-Bike und Pedelec, die auch ungeübten Radfahrern die
UbeMindung größerer Distanzen erlauben – kein alleiniges Argument. Allerdings würden auch bei dieser Trassenführung
Baumfällarbeiten unvermeidlich sein. lch teile lhre Einschätzung, dass wir unseren Lebensraum ,Natur’so weit wie möglich
schützen müssen, wenn unsere Kinder und wir auch in Zukunft eine lebenswerte Umwelt erhalten möchten.
Letzllich ist jede Trassenführung ein Eingriff – es gilt den verträglichsten und sinnvollsten zu Iinden. Dezeit befinden wir uns im
Bereich der sog. Machbarkeitsstudie, so dass noch keine endgültige Festlegung erfolgt. Dies wird auch nicht in absehbarer Zeit
erfolgen können. lnsofern bin ich ganz bei lhnen, dass keine unumkehöaren Fakten geschaffen werden sollten.
Ehrlich und konsequent …
Ehrlich – auf Basis der mir bis dato vorliegenden Fakten ist mir eine abschließende Aussage zur sinnvollsten Trassenführung
NOCH nicht möglich.
Konsequent – sollte ich ab dem 01.0’1.2019 Verantwortung in und für die StädteRegion Aachen tragen, so werde ich mich dafür
einseDen, dass auch lhr Anliegen und das lhrer Mitstreiter, sehr geehrte Frau Quix, hinreichend Gehör finden.
lch wÜrde mich freuen, wenn lhnen diese erste Einschätzung bei lhrer Wahlentscheidung hilft. Naturgemäß würde ich mich
besonders freuen, wenn Sie mir lhre Stimme und lhr Vertrauen schenken.
Mit freundlichen Grüßen
lhr
Dr. Tim Grüttemeier
Bürgermeister der Kupferstadt Stolberg
Bewerber für das Amt des Städteregionsrates

 

Hier die Antwort von Herrn Borchardt

Hallo Frau Quix,

ich habe mich noch einmal kundig getan mit den Vorlagen zum
Radschnellweg und auch nachgeschaut wie die Diskussion in unserer
Fraktion damals gelaufen war.

Etwas verwirrt war ich im Klösterchen über die Aussage, das es eine neue
Machbarkeitsstudie gab, diesem ist wohl nicht so. Was jedoch irritierend
ist, sind die Berechnungen und hier kommt es dann sehr schnell zu
unterschiedlichen Aussagen. Die hohe Benutzerzahl ist in der Endsumme
korrekt, aber sie bezieht sich auf die Gesamtstrecke, sodass
Teilstrecken entsprechend weniger sind und die in der Diskussion
genannten Zahlen stimmen.
Da wir in unserer Fraktion mit den Zahlenprognosen wenig anfangen
konnten, machten wir einen Ausflug nach Nimwegen und ließen uns von dem
dortigen Planer einmal über dessen Erfahrungen berichten. In der Tat
steigen Autofahrer aufs Rad um, auch in größer Zahl, weniger
ÖPNV-Nutzer. Die Zahlenprognosen basieren durchaus auf realistische
Erfahrungen und sind nicht so abwegig. Entscheidend jedoch wird der
weitere Ausbau und Instandhaltung vorhandener Strecken sein, damit man
überhaupt diesen Radschnellweg erreichen kann.

In Deutschland hat ein Radschnellweg eine vorgegebene Breite und darf
nicht abweichen, koste es was es wolle, in der Niederlande ist man da
viel flexibler.

Für den nun kritischen Abschnitt in Herzogenrath hatten wir als Fraktion
eine Strecke über Straß an der Grenze favorisiert. Doch wie es mit der
Breite ist, ist es auch mit der Förderung, dafür hätte man keine volle
Förderung bekommen und unser Vorschlag wurde somit abgelehnt.

Auch wenn wir (Fraktion) und ich nicht mit allen Teilabschnitten
glücklich sind, sind wir froh, das man sich überhaupt entschlossen hat
einen Radschnellweg zu bauen. Der Umstieg und Umgestaltung auf
fahrradfreundliche Straßen ist noch ein langer Weg und manchmal braucht
es tatsächlich den berühmten Leuchtturm. Nur darf danach nicht das
Engagement nachlassen die weitere Infrastruktur auszubauen. Ich erlebe
es gerade in Eschweiler, wie mühselig es ist dies aufzuzeigen und dem
Vorwurf zu entkräften „Ich wolle das Autofahren verbieten“. Vielmehr
möchte ich Alternativen anbieten entweder sicher mit dem Rad, zu Fuß
oder mit dem ÖPNV unterwegs zu sein. Doch hier fehlt der Mut in der Politik.

Um es ganz einfach auszudrücken „Baue ich Straßen für Autos – erhalte
ich Autoverkehr. Baue ich Straßen für Fahrräder – erhalte ich
Radverkehr“. Nur leider ist diese Erkenntnis noch nicht bei allen
angekommen und anstatt tatsächlich konsequent und ehrlich die
Prioritäten anderes zu setzen.

Mit freundlichen Grüßen
Albert Borchardt

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Infostand auf dem „Burgfest“ in Herzogenrath

Die NaturFreunde waren auf dem Herzogenrather „Burgfest“ am 3. Juni 2018 mit einem Infostand vertreten. Ein Schwerpunktthema war die Trassenführung der geplanten Radautobahn durch Schutzgebiete im Wurmtal. Dazu gab es eine Unterschriftenliste und Nester mit „faulen Eiern“. Auf den Fotos sind die „Standbesetzung“ im Verlauf des Tages und die „faulen Eier“ zu sehen. Leider fehlen verschiedene Personen, welchen wir aber für die Unterstützung Danken.